Die Phylogenese des Gehörorgans
Die Haarzelle des Cortischen Organs, kurz Corti-Zelle entwickelte
sich im Laufe von Jahrmillionen zu einer regelrechten Suchantenne. Sie
war eine der ersten Zellen die sich spezialisiert und die Aufgabe übernahm,
mechanisch empfagene Daten in chemisch.physikalische Information umzuwandeln.
Ihre Eigenschaften:
- lebt seit jeher im flüssigen Millieu
- von länglich-ovaler Form: der Kern liegt in der Nähe der
Basis
- Zytoplasma ist reich an Mitochondrien
- Zilienbüschel aus 50-100 Härchen.
- ingsgesamt befinden sich im Ohr ca. 15.000 Rezeptoren (vgl.130.000.000
im Auge, 17.000 auf jeder Hand)
- der durch Einwirkung erlaubte Neigungswinkel erlaubt Rückschlüsse,
sowohl auf die Stärke als auch auf die richtung der Verlagerung. An
denÝ Winkelunterschiden sind Veränderungen wie Beschleunigung ider
Verlangsamung ablesbar.
- Schallreize rufen keine sichtbare Neigung ganzer Zilienbüschel
hervor, sondern Verlagerungen in der Größenordnung von Molekülen.
TOMATIS geht davon aus daß durch die Dynamik der Ziliaraktivität
kann mit Tönen das gesamte Hörsystem aufgeladen werden. Die Aufladung
bezieht sich auf die neuronale Energie, die der Fortleitung der Nervenimpulse
dient.
Der nächste Schritt in der Entwicklung des Ohrs war der zum Seitenlinienorgan
der niederen Fische.
Die Elemente der Seitenlinie zentralisieren sich allmählich
in der otholithischen Vesicula, der ersten Vorläuferin des
häutigen Labyrinths.
Beim Übergang vom Wasser zum Land waren Probleme mit der Schwerkraft,
der Körperhaltung und der Orientierung zu lösen: die Kiemenspalte
wurde von einer trommelfellartigen Membran abgeschlossen. So konnten
die Haarzellen in dem flüssigen Milieu weiterarbeiten auf das sie
bereits spezialisiert waren.
Die Orientierung im Raum gelingt dank zweier Säckchen: Utriculus
und Sacculus. Ihre Wirkung wird durch das Hinzukommen der Lagena
verstärkt, welche die Vorläuferin der Chochlea ist. Mit ihrem
Erscheinen richtet sich der vordere teil des Körpers auf.
Im Uticulus bilden sich nun die Bogengänge, die es dem utrico-sacculärem System erlauben wie ein Kreiselsextant zu funktionieren. Die drei Bogengänge beim Menschen ermöglichen eine Orientierung in den drei Raumebenen.
Die Entstehung der Cochlea ist ien besinders großer Schritt
- an ihrer Basis befinden sich über 20.000 Haarzellen. Das knöcherne
Labyrinth schirmt die Schnecke von den vegetativen Vorgängen wie
Schlucken, Kauen un Atmen ab.
Das runde und das ovale Fenster dient dem Druckausgleich
um dem Labyrinth gleichbleibende Arbeitsbedingungen zu liefern. Hammer,
Amboß und Steigbügel dienen als Schutz und Regulationsmechanismus
und ermöglichen dem Menschen eine genaue Anpassung an Schallreize.
Das äußere Ohr ist die jüngste Errungenschaft
der Phylogenese - es fängt von aussen kommende Laute auf, verstärkt
sie und trifft auch eine Vorauswahl: es filtert die Information bevor es
sie dem häutigen Labyrith weitergibt.
Filterungen durch Gehörgang, Ohrmuschel, Schädel und Torso
ergeben ein Vertärkung von ca. 18dB im Frequenzbereich um die 3000Hz.
Der Menschliche Fetus macht die gesamte phylogenetische Entwichklung
in einer zeitlich gerafften Abfolge durch.
Innenohr, Gehörknöchelchen und Trommelfell haben nach 5 Monaten
fetalen Lebens ihre endgültige Größe erreicht.
Nach 6 Monaten sind die sensorischen Endorgane, sowie die Chochlea
voll entwickelt.
Der Fetus hat die Möglichkeit Reize sensorisch wahrzunehmen, kann
sie allerdings noch nicht analysieren.
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Die Wirkung akustischer Stimuli läßt sich am obektivsten anhand das fetalen Herzrhythmus messen.
K.P.Murphy und C.M.Smyth 1962 - Versuche mit 30 Wochen alten Embryos:
Sinus Töne im Bereich von 500 - 4000Hz und einer Intensität von 100dB (0,0002dyn/cm2) übertragen mit den Hörern eines Audiometers.
Beschleunigung der Herzfrequenz
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| Normal | 133.9 Puls/sec | |
| mittlere Beschleunigung nach fetaler Aktivität | 9.2 Puls/sec | |
| Stimmulation mit 500Hz | 16.8 Puls/sec | |
| Stimmulation mit 4000Hz | 10.7 Puls/sec |
Tomatis betrachtet das Vestibulum als das Zentrum und den Grundstock
des menschlichen Gehirns. Die hier zusammenlaufenden Nervenenden ergeben
ein akustisches Bild des Körpers - der Körper hört sich
selbst. Die Aufmerksamkeit des Gehörgangs richtet sich aber auch nach
aussen - um besser wahrnehmen zu können richtet sich der Körper
auf.
Wie die Entwicklungsgeschichte zeigt ist das Gehirn aus mehreren Stockwerken
aufgebaut - so entsteht das thalamitische Stockwerk wie ein zweites Gehirn,
das verstärkt und verfeinert was in den unteren Stockwerken bereits
erarbeitet wurde. Nun wird diese Stockwerk durch den darüberliegenden
Kortex ergänzt. Hier breiten sich alle Sensorischen projektionen auf
Felder aus, die ganz allein für sie bestimmt zu sein scheinen, doch
sorgen Verflechtungen und Überschneidungen dafür, daß alle
zusammen eine funktionelle Einheit bilden.
Das Zellgedächtnis ermöglicht es Information in einer
Zelle "in situ" aufzubewahren, bevor es sie weitergibt.
Auf diese Art und Weise werden unsere Erfahrungen im Mutterleib gespeichert.
Taktile Reize, wie der Herzschlag der Mutter werden als Rhythmen und Kadenzen
in den Vestibulariskernen engrammiert.
Der Fetus kann die Sinneseindrücke die er währen der Schwangerschaft
im Mutterleib macht noch nicht zum Gehirn weiterleiten und die dort analysieren.
So "verstopft" in gewisser Weise die Wahrnehmung und es obliegt dam Erwachsenen
sich dieser Eindrücke wieder bewußt zu werden und die im Gehirn
zu verarbeiten.
| Der Klang des Lebens
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Dr. A. A. Tomatis | rororo Sachbuch | |
| Gesundheit aus dem Walkman | E. Joudri | Bibliothek der Universität für Musik u. Dastellende Kunst/Wien | |
| Gerard Depardieu |